Die Suchmaschinenoptimierung steht vor einem fundamentalen Wandel. AI Overviews, konversationale Suchanfragen und KI-Chatbots verändern grundlegend, wie Nutzer Informationen finden und wie Unternehmen online sichtbar bleiben. Im Cloud Leaders Webinar «SEO 2026 – Strategien für die neue Suchrealität» gab Sarah van den Berg, Senior SEO Managerin bei der Content-Marketing-Agentur suxeedo, gemeinsam mit Timo Heinrich, Head of SEO bei group.one, einen fundierten Einblick in die Herausforderungen und Chancen dieser neuen Ära.

Inhaltsverzeichnis

Mit über 1'300 Anmeldungen und mehr als 540 gleichzeitigen Teilnehmern zeigte das Webinar eindrücklich, wie gross das Interesse an diesem Thema ist. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und gibt Ihnen konkrete Handlungsempfehlungen für Ihre SEO-Strategie 2026.

Die neue Ausgangssituation: Was 2025 verändert hat

Das vergangene Jahr war für die Suchmaschinenoptimierung ein Jahr der tiefgreifenden Veränderungen. Seit dem 26. März 2025 sind die Google AI Overviews auch im DACH-Raum verfügbar – KI-generierte Suchergebnisse, die prominent über den organischen Treffern erscheinen.

Das Ausmass dieser Veränderung ist bemerkenswert: In vielen Suchanfragen ist im sogenannten First Screen – also dem sichtbaren Bereich ohne Scrollen – kein einziges organisches Suchergebnis mehr zu sehen. In extremen Fällen muss der Nutzer bis zu 15 Mal scrollen, um das erste klassische Suchergebnis zu erreichen. Diese Entwicklung führt zu einem massiven Anstieg der sogenannten Zero-Click-Searches: Suchanfragen, die zu keinem Klick auf eine Website führen, weil die Antwort direkt in den Suchergebnissen geliefert wird.

Im September 2025 erschwerte Google zusätzlich das automatisierte Auslesen von Suchergebnissen. Diese Massnahme richtete sich primär gegen KI-Systeme, traf aber auch etablierte SEO-Tools empfindlich. Und seit Oktober 2025 steht auch der KI-Modus in Deutschland zur Verfügung, der eine vollständig konversationale Suche ermöglicht.

Generative Engine Optimization: Eine neue Disziplin etabliert sich

Mit diesen Veränderungen hat sich eine neue SEO-Disziplin etabliert, die unter verschiedenen Namen bekannt ist: Generative Engine Optimization (GEO), AI-SEO oder KI-SEO. Bei suxeedo hat sich der Begriff GEO durchgesetzt.

Die gute Nachricht: Diese neue Disziplin stellt nicht alles auf den Kopf. Wie Google-Sprecher selbst bestätigten, gilt der Grundsatz «Gutes SEO ist gutes GEO». Die Massnahmen, die Sie für klassische Suchmaschinenoptimierung ergreifen, helfen Ihnen auch dabei, in KI-Chatbots und AI Overviews sichtbar zu sein.

Der zentrale Unterschied zwischen traditioneller und KI-Suche liegt in der Art der Suchanfragen. Während klassische Suchmaschinen stark keyword-basiert arbeiten, sind Anfragen an KI-Chatbots konversational. Nutzer fragen, bitten um Zusammenfassungen oder Einschätzungen – und sie erwarten direkte, umfassende Antworten, nicht eine Liste von Links.

Dies verändert die Rolle der Website fundamental: Sie wird in vielen Fällen zur Datenquelle im Hintergrund. Die strategische Entscheidung, die sich daraus ergibt, ist klar: Wer als Marke in KI-Chatbots vorkommen möchte, muss der KI entsprechendes «Futter» bieten – und zwar so aufbereitet, dass die Systeme es auslesen können.

Search Everywhere Optimization: Der neue Ansatz für 2026

Sarah van den Berg schlägt vor, das Akronym SEO neu zu interpretieren: von Search Engine Optimization zu Search Everywhere Optimization. Dieser Ansatz trägt der Tatsache Rechnung, dass Nutzer heute an vielen verschiedenen Orten suchen – nicht nur bei Google.

Zu diesen Touchpoints gehören neben den klassischen Suchmaschinen auch KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity oder Claude, Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram und Pinterest, spezialisierte Plattformen wie Reddit, Amazon oder YouTube sowie Sprachassistenten und Smart-Home-Geräte.

Die Konsequenz ist ein Aufweichen der Grenzen zwischen den Disziplinen. SEO und Social Media Management, die in manchen Unternehmen an völlig unterschiedlichen Enden des Flures sitzen, müssen künftig deutlich enger zusammenarbeiten. Auch die strikte Trennung zwischen Content-SEO und technischem SEO lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.

Ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: Nicht jede Marke muss auf allen Kanälen präsent sein. Die Entscheidung, welche Kanäle relevant sind, hängt von Branche, Zielgruppe und Produkt ab. Analysieren Sie, woher Ihre Nutzer tatsächlich kommen, und investieren Sie Ihre Ressourcen entsprechend.

Technische Grundlagen für die KI-Auffindbarkeit

Die technischen Anforderungen für gute KI-Auffindbarkeit unterscheiden sich nicht grundlegend von klassischem technischem SEO – sie werden jedoch noch wichtiger:

Steuerungsdateien müssen valide sein. Die Robots.txt und die Sitemap.xml müssen korrekt konfiguriert sein. Obwohl dies eine Grundvoraussetzung darstellt, zeigt die Praxis immer wieder überraschende Mängel in diesem Bereich.

Wichtige Inhalte sollten ohne JavaScript-Rendering verfügbar sein. Auch die klassische Google-Suche kommt mit JavaScript nicht optimal zurecht, da das Crawlen von JavaScript-Inhalten ressourcenintensiver ist. Besonders problematisch ist dies bei Hauptnavigationen, die mit JavaScript umgesetzt sind.

Die Seitenladegeschwindigkeit bleibt kritisch. Auch KI-Chatbots können nicht unbegrenzt Energie aufwenden, um langsame Websites zu crawlen. Schnelle Ladezeiten sind daher nicht nur für die User Experience, sondern auch für die KI-Auffindbarkeit essenziell.

Strukturierte Daten werden zur Pflicht. Was früher als Kür galt, ist heute Standard: Die Auszeichnung von Breadcrumb-Navigation, Adressdaten, FAQs, Produkten und anderen Entitäten mittels schema.org-Markup hilft sowohl klassischen Suchmaschinen als auch KI-Systemen, Ihre Inhalte zu verstehen.

Content-Kriterien für KI-Systeme

Auch auf der Content-Ebene gibt es spezifische Kriterien, die für KI-Chatbots wichtig sind. Viele davon sind jedoch keine neuen Anforderungen, sondern bewährte Best Practices:

Die Verwendung von Absätzen mit Zwischenüberschriften, korrekt ausgezeichnet mit H-Tags, sowie eine saubere, nutzerfreundliche Verlinkung waren schon immer wichtig. Im Kern gilt: Was für Nutzer gut ist, ist in der Regel auch für Maschinen gut.

Ein tatsächlich neuer Aspekt betrifft das Storytelling: KI-Tools bevorzugen Texte, die mit einem Fazit oder einer Zusammenfassung beginnen. Statt eines klassischen Spannungsbogens empfiehlt es sich, direkt «mit der Tür ins Haus zu fallen». Dies erfordert bei manchen Autoren eine Umstellung, beeinträchtigt die Textqualität aber nicht negativ.

Kurze, klare Sätze sind ebenfalls von Vorteil. Sie erleichtern sowohl menschlichen Lesern als auch KI-Systemen das Verständnis und die Verarbeitung der Inhalte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zitierbarkeit: Inhalte sollten so strukturiert sein, dass KI-Systeme sie als vertrauenswürdige Quelle erkennen und korrekt zitieren können.

Themenautorität schlägt Domainautorität

Eine zentrale Prognose für 2026: Die Themenautorität wird wichtiger als die Domainautorität. Das bedeutet, dass nicht nur grosse, etablierte Websites gute Rankings erzielen können, sondern auch kleinere Seiten, die für bestimmte Themen eine hohe Autorität aufgebaut haben.

Dies birgt grosse Chancen für spezialisierte Anbieter und Nischen-Websites. Der Schlüssel liegt in der strategischen Positionierung: Statt sich an einzelnen Keywords festzuhalten, sollten Sie in Entitäten und Themenclustern denken. Bauen Sie innerhalb dieser Cluster hochwertige, gut verknüpfte Inhalte auf.

Ein Beispiel aus der Praxis: Für Domains, die sich auf Hosting und Domains spezialisiert haben, funktionieren Blogartikel zu genau diesen Themen hervorragend. Versuche, über völlig andere Themen zu schreiben, bringen hingegen keine Rankings – die Themenautorität fehlt schlicht.

E-E-A-T wird zu E-E-A-T-S

Das bekannte Konzept E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness), das Google zur Qualitätsbewertung von Webseiten verwendet, könnte um einen weiteren Buchstaben erweitert werden: S für Signals oder Sources.

Dieser Faktor umfasst zwei Ebenen: Erstens die Kennzeichnung von Inhalten durch sichtbare Quellen und Autoren. Zweitens externe Verlinkungen und Signale wie das Google Business Profile oder Branchenbucheinträge, die bei der Bewertung eines Unternehmens eine Rolle spielen.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Über-uns-Seite an Bedeutung. Sie ist für KI-Suchsysteme eine wichtige Quelle, um Informationen über ein Unternehmen zu erhalten. Erfahrungsgemäss ist jedoch kaum eine Seite so schlecht gepflegt wie diese – hier lohnt sich eine kritische Überprüfung.

Agentic Shopping: Der nächste grosse Trend

Ein spektakulärer Trend für 2026 ist das sogenannte Agentic Shopping oder Conversational Commerce. Google hat mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) einen neuen Standard für die Bereitstellung von Produktdaten veröffentlicht, der Shopping über KI-Chatbots ermöglicht – plattformübergreifend.

Das Szenario: Statt einen Online-Shop zu besuchen und sich durch Kategorien zu klicken, bleibt der Nutzer in seiner bevorzugten KI-Oberfläche. Er bittet um Produkteinschätzungen, ruft Testberichte ab und steigt dann direkt in den Kaufprozess ein – alles ohne die Website des Händlers jemals zu besuchen.

In den USA ist dies bereits Realität. Für den DACH-Raum ist mit einer Einführung in absehbarer Zeit zu rechnen, auch wenn noch einige rechtliche Fragen zu klären sind, etwa bezüglich Reklamationen und Umtausch. E-Commerce-Unternehmen sollten das Thema UCP 2026 aufmerksam verfolgen.

Neue Herausforderungen bei der Erfolgsmessung

Die Messung des Erfolgs von SEO-Massnahmen wird durch die neue Suchrealität komplexer. Klassische Ranking-Positionen verlieren an Aussagekraft, da KI-Ergebnisse hochgradig volatil sind. Selbst bei identischen Suchanfragen können verschiedenen Nutzern unterschiedliche AI Overviews angezeigt werden – oder auch gar keine.

Was gemessen werden kann, sind konkrete Prompt-Listen: Sie können definieren, wie Nutzer konversational nach Ihrer Marke suchen würden, diese Prompts hinterlegen und tracken, ob und wie Ihre Marke in den Antworten erscheint. Dieses semi-manuelle Tracking wird sich 2026 voraussichtlich stark weiterentwickeln.

Der Traffic aus KI-Systemen lässt sich mit regulären Web-Analyse-Tools erfassen, wobei diese Sessions manchmal fälschlich als direkter Traffic klassifiziert werden. Eine hundertprozentig saubere Zuordnung ist aktuell noch nicht möglich.

Der Fokus verschiebt sich von reinen Positionen hin zu Markenpr¨äsenz und thematischer Relevanz. Parallel dazu wird das technische Scoring wichtiger: Wie gut ist Ihre Website für KI-Systeme auslesbar?

SEO-Prioritäten für 2026: Ein kompakter Überblick

Auf strategischer Ebene sollten Sie sich nicht ausschliesslich auf Google fokussieren, sondern alle relevanten Touchpoints nutzergerecht bespielen. Im Bereich Content gilt weiterhin Qualität vor Quantität – mit dem wichtigen Zusatz, dass Inhalte so strukturiert sein müssen, dass sie für KI-Systeme zitierbar sind. High Intent Content, der über reine Information hinaus einen zusätzlichen Mehrwert bietet, etwa durch eigene Tools, wird wichtiger.

Im technischen Bereich führt kein Weg an den SEO-Basics vorbei: PageSpeed, JavaScript-Handling und strukturierte Daten sind nicht mehr Kür, sondern Pflicht.

Ein Wort der Vorsicht zu «Chunking»

Sarah van den Berg warnt ausdrücklich vor vereinfachenden Empfehlungen zum Thema «Chunking» – also der Art und Weise, wie KI-Systeme Inhalte in Einzelteile zerlegen. Auf Plattformen wie LinkedIn kursieren Aussagen darüber, wie lang ein Absatz sein muss oder nach wie vielen Wörtern eine Zwischenüberschrift gesetzt werden sollte, «damit die KI korrekt chunked».

Die Realität ist deutlich komplexer: Verschiedene KI-Systeme verwenden unterschiedliche Chunking-Prinzipien. Manche sind HTML-aware und nutzen die semantische Struktur, andere unterteilen Texte mechanisch in gleich grosse Blöcke. Wer Ihnen Chunking als «die SEO-Massnahme schlechthin» verkaufen will, dem sollten Sie kritisch begegnen.

Fazit: Die neue Suchrealität aktiv gestalten

Die Veränderungen in der Suchlandschaft sind tiefgreifend, aber sie bedeuten nicht das Ende von SEO. Vielmehr erweitert sich das Aufgabenfeld: Von der reinen Suchmaschinenoptimierung hin zur Search Everywhere Optimization.

Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich so zusammenfassen: Gutes SEO ist gutes GEO. Die Grundlagen bleiben gleich, werden aber noch wichtiger. Denken Sie in Themenautorität statt nur in Domainautorität. Fokussieren Sie sich auf die Kanäle, die für Ihre Zielgruppe relevant sind. Strukturieren Sie Ihre Inhalte so, dass sie für KI-Systeme zitierbar sind. Bleiben Sie kritisch gegenüber vermeintlichen Wunderlösungen. Entwickeln Sie neue Metriken jenseits klassischer Rankings.

Die neue Suchrealität bietet auch Chancen – insbesondere für spezialisierte Anbieter, die in ihren Themenfeldern echte Expertise aufgebaut haben.

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