Wer in Unternehmen nach einer Alternative zu Microsoft Exchange oder Microsoft 365 sucht, stösst regelmässig auf Zimbra. Die Plattform ist seit über zwei Jahrzehnten am Markt, wird in tausenden Organisationen weltweit produktiv eingesetzt und gehört zu den bekanntesten Groupware-Lösungen für Linux-basierte Serverumgebungen. Dieser Beitrag erklärt, was Zimbra technisch ist, welche Editionen es gibt, wie sich der Open-Source-Status seit Version 10 verändert hat und für welche Einsatzszenarien sich die Suite eignet.

Inhaltsverzeichnis

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Was ist Zimbra?

Die Zimbra Collaboration Suite, kurz ZCS, ist eine integrierte E-Mail- und Groupware-Plattform für Unternehmen. Sie kombiniert in einer einzigen Server-Installation einen vollwertigen Mail-Server mit gemeinsam genutzten Kalendern, Adressbüchern, Aufgaben, Datei-Ablage, Instant Messaging sowie einer Web- und Mobile-Oberfläche. Der Zugriff erfolgt primär über eine browserbasierte Weboberfläche, die von Beginn an als AJAX-Anwendung entwickelt wurde und in Funktionsumfang wie Bedienkomfort an klassische Desktop-Mail-Clients heranreicht.

Zimbra unterstützt sämtliche gängigen offenen Standards. Mailprogramme können den Server über IMAP, IMAPS, POP3 und POP3S anbinden, Kalender und Adressbücher werden über CalDAV und CardDAV synchronisiert, und mobile Geräte erhalten Push-Synchronisation über ActiveSync. Damit lassen sich Postfächer parallel über Thunderbird, Apple Mail, Outlook, iOS, Android und den Webclient nutzen, ohne dass für die Endanwender ein bestimmtes Programm vorgeschrieben werden muss.

Screenshot einer Zimbra-Webseite mit blauem Banner, Personen am Computer.
Zimbra.com

Geschichte und Eigentumsverhältnisse

Zimbra wurde 2003 als Startup gegründet und 2007 für rund 350 Millionen US-Dollar von Yahoo übernommen. Es folgten weitere Eigentümerwechsel zu VMware (2010) und Telligent Systems (2013), die das Geschäft als Zimbra Inc. weiterführten. Seit 2015 gehört die Plattform zur amerikanischen Synacor Inc., die Zimbra heute weltweit über ein Partnernetzwerk vertreibt und entwickelt. Diese lange Historie ist relevant, weil sie die strategische Ausrichtung erklärt: Zimbra positioniert sich konsequent als unabhängige, auf offenen Standards basierende Alternative zu den grossen Hyperscalern.

Funktionsumfang im Überblick

Der Leistungsumfang von Zimbra geht deutlich über reine E-Mail hinaus. Zu den Kernkomponenten gehören:

  • E-Mail mit Volltextindex, serverseitigen Filtern, gemeinsam genutzten Ordnern, Verteilerlisten und konfigurierbaren Mail-Quoten.
  • Kalenderfunktion mit gemeinsamen Kalendern, Ressourcenbuchung für Räume und Geräte, Terminserien sowie Einladungen über das iCalendar-Format.
  • Adressbuch mit persönlichen und globalen Kontaktlisten, freigegebenen Verteilern und CardDAV-Synchronisation.
  • Aufgaben- und Notizverwaltung, die im selben Webclient zugänglich sind wie E-Mails und Kalender.
  • Datei-Ablage und Dokumentenbearbeitung über die sogenannte Briefcase-Funktion, in Zimbra 10 ergänzt durch eine Integration mit OnlyOffice für kollaboratives Bearbeiten von Office-Dokumenten direkt im Browser.
  • Zimbra Chat für Echtzeitkommunikation, Direktnachrichten, Gruppenchats und Dateifreigabe innerhalb der Organisation.
  • Mobile Synchronisation über ActiveSync, ergänzt durch eine responsive Mobilversion des Webclients.
  • Administration über eine eigene Web-Konsole, in der Domains, Konten, Class-of-Service-Definitionen, Speicherkontingente, Sicherheitsrichtlinien und Backup-Prozesse zentral verwaltet werden.

Technische Architektur

Zimbra basiert auf einem Stack ausgereifter Open-Source-Komponenten, die unter einer einheitlichen Administrationsoberfläche zusammengeführt werden. Als Mail Transfer Agent kommt Postfix zum Einsatz, als Verzeichnisdienst OpenLDAP, und für die Speicherung von Metadaten wird eine MariaDB- beziehungsweise MySQL-Datenbank verwendet. Spam-Filterung erfolgt über Rspamd beziehungsweise Amavis in Kombination mit SpamAssassin, Viren-Scans übernimmt ClamAV. Das eigentliche Herzstück, der Mailbox-Server, ist in Java geschrieben und läuft in einem Jetty-Web-Container.

Diese Architektur hat zwei Konsequenzen, die für die Planung einer Zimbra-Installation wesentlich sind. Erstens läuft Zimbra ausschliesslich auf Linux-Servern, derzeit offiziell unterstützt auf Red Hat Enterprise Linux, Rocky Linux und Oracle Linux 9 sowie auf Ubuntu LTS. Zweitens benötigt der Java-basierte Mailbox-Server Arbeitsspeicher und CPU-Ressourcen, die deutlich über dem liegen, was rein leichtgewichtige Mail-Stacks erfordern. Für produktive Installationen sind je nach Benutzerzahl mehrere Gigabyte Arbeitsspeicher allein für den Mailbox-Server einzuplanen.

Editionen und Lizenzmodell

Zimbra wird in zwei Hauptvarianten angeboten: der Open Source Edition (ZCS OSE) und der kommerziellen Network Edition. Beide nutzen denselben Kern, unterscheiden sich aber im Funktionsumfang und beim Support.

Die Network Edition richtet sich an Unternehmen, die auf zusätzliche Komfort- und Sicherheitsfunktionen sowie auf offiziellen Herstellersupport angewiesen sind. Sie enthält unter anderem:

  • ActiveSync für die Push-Synchronisation mit mobilen Geräten
  • Zimbra Connector for Outlook (ZCO) für die native Outlook-Integration über MAPI
  • Echtzeit-Backup und granulare Wiederherstellung einzelner Postfächer
  • Hierarchical Storage Management für die Auslagerung alter Daten auf günstigeren Speicher
  • S/MIME für signierte und verschlüsselte E-Mail
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung
  • Archivierung und unternehmensweite Suche über alle Postfächer

Seit Zimbra 10 wird die Network Edition in den Produktstufen Standard und Professional angeboten. Die Professional-Stufe enthält erweiterte Funktionen, beispielsweise im Bereich Mobile Device Management und Archivierung. Beide Stufen können innerhalb derselben Lizenz für unterschiedliche Anwendergruppen kombiniert werden.

Zimbra Open Source: aktueller Stand

Zimbra wurde lange Zeit als klassisches Open-Source-Produkt mit kostenlosen Binärpaketen vertrieben. Diese Situation hat sich seit Zimbra 9 schrittweise verändert. Wer heute eine Zimbra-Installation aufsetzen möchte, sollte den aktuellen Stand kennen, weil sich die Lizenzlandschaft in den letzten Jahren spürbar verschoben hat.

Zimbra 8.8.15 ist die letzte Version, für die der Hersteller fertige Open-Source-Binärpakete frei zum Download bereitgestellt hat. Diese Version befindet sich heute am Ende ihres Lebenszyklus und sollte produktiv nicht mehr neu eingesetzt werden.

Zimbra 9 ist im Kern weiterhin Open Source, die moderne Weboberfläche und einzelne Komponenten der Network Edition unterstehen jedoch einer kommerziellen Lizenz. Fertige Binaries werden seitens Synacor nicht mehr bereitgestellt; wer Zimbra 9 als OSE einsetzen möchte, muss aus dem Quellcode auf GitHub selbst kompilieren. Zimbra 9 hat zudem per 30. Juni 2025 das End-of-Life erreicht.

Zimbra 10 (Codename Daffodil) ist die aktuell unterstützte Version. Sie lässt sich nicht ohne gültige Lizenz installieren. Mit Zimbra 10.1 wurde zudem ein neuer License Daemon Service (LDS) eingeführt, der das Lizenzmanagement automatisiert und für die laufende Funktion des Servers erforderlich ist. Auch Zimbra 10.0 hat zum 30. Juni 2025 das End of General Support erreicht; produktiv sollte mindestens auf 10.1 aktualisiert werden.

Praktische Konsequenz: Wer heute eine Zimbra-Installation neu aufsetzt, plant in aller Regel mit einer kommerziellen Lizenz der Network Edition. Reine Open-Source-Szenarien sind weiterhin möglich, erfordern aber das Kompilieren aus dem Quellcode, die manuelle Pflege des Stacks und den Verzicht auf einige proprietäre Komponenten wie die moderne Weboberfläche, den Outlook-Connector oder die integrierte Backup-Funktion.

Einsatzgebiete und typische Anwender

Zimbra ist in Europa und international stark in Branchen verbreitet, die hohe Anforderungen an Datensouveränität, Auditierbarkeit und Unabhängigkeit von Hyperscalern stellen. Dazu zählen unter anderem:

  • Hochschulen und öffentliche Verwaltungen, die tausende Mailkonten betreiben und Wert auf Betrieb in eigener oder europäischer Infrastruktur legen.
  • Finanzdienstleister und Versicherungen mit Compliance-Anforderungen, die einen klar definierten Ort der Datenhaltung verlangen.
  • Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, die personenbezogene Daten verarbeiten und Verträge mit US-Cloudanbietern aus regulatorischen Gründen vermeiden.
  • Hosting-Provider und Managed-Service-Anbieter, die ihren eigenen Geschäftskunden professionelle Mail- und Groupware-Dienste auf eigener Infrastruktur anbieten.
  • Mittelständische Unternehmen, die eine vollwertige Exchange-Alternative ohne Bindung an ein bestimmtes Cloud-Ökosystem suchen.

Für Schweizer Organisationen ist Zimbra insbesondere unter dem Aspekt der Datenhaltung interessant. Da die Suite sowohl On-Premises als auch in der Private Cloud oder bei einem regionalen Hosting-Partner betrieben werden kann, lässt sich der gesamte Mail- und Kollaborations-Verkehr innerhalb der Schweiz halten. Das ist im Kontext des revidierten Datenschutzgesetzes (revDSG) sowie branchenspezifischer Vorgaben ein zentrales Argument.

Zimbra im Vergleich zu Microsoft Exchange und Microsoft 365

Auch wenn der direkte Funktionsvergleich je nach Anwendungsfall unterschiedlich ausfällt, lassen sich einige strukturelle Unterschiede klar benennen.

Microsoft Exchange ist tief in die Microsoft-Welt integriert, setzt funktional Outlook beziehungsweise Outlook for the Web voraus und entfaltet seine Stärken vor allem in Verbindung mit Active Directory, Teams und SharePoint. Microsoft 365 erweitert dieses Bild um eine breite SaaS-Produktivitätssuite, allerdings in einem cloudzentrierten Lizenzmodell, das auf laufende Abonnements und auf Datenhaltung in von Microsoft gewählten Regionen ausgelegt ist.

Zimbra setzt demgegenüber konsequent auf offene Standards. Die Suite bindet sich nicht an einen bestimmten Mailclient, läuft auf einem klar dokumentierten Linux-Stack und kann ohne Einschränkungen on-premises, in einer privaten Cloud oder bei einem regionalen Provider in der Schweiz betrieben werden. Das macht Zimbra zu einer plausiblen Option, wenn Datenkontrolle, Vendor-Unabhängigkeit und ein klar definierter Hosting-Standort wichtiger sind als die maximale Integration mit dem Microsoft-Universum.

Häufig gestellte Fragen

Ist Zimbra kostenlos?

Teilweise. Der Quellcode der Open Source Edition ist nach wie vor frei verfügbar und kann unter der Zimbra Public License selbst kompiliert und betrieben werden. Fertige, kostenlose Binärpakete werden seit Zimbra 9 nicht mehr ausgeliefert, und die aktuelle Version 10.1 lässt sich nur mit einer gültigen Lizenz installieren. Für den produktiven Betrieb in Unternehmen ist die kostenpflichtige Network Edition heute der praktische Standardweg.

Was bedeutet der Name Zimbra?

Zimbra ist ein Produktname ohne semantische Übersetzung und stammt aus dem Sprachgebrauch des 2003 gegründeten gleichnamigen Startups. Eine offizielle Bedeutung im Sinne einer Abkürzung oder eines Begriffsursprungs gibt es nicht.

Was ist Zimbra Webmail?

Zimbra Webmail ist die browserbasierte Oberfläche der Zimbra Collaboration Suite, über die Anwender E-Mails, Kalender, Adressbücher, Aufgaben und Dateien erreichen, ohne ein lokales Mailprogramm installieren zu müssen. Die Oberfläche orientiert sich an klassischen Desktop-Mail-Clients und unterstützt Drag-and-drop, Tags, Suche, gemeinsam genutzte Ordner und vieles mehr.

Warum erreiche ich meinen Zimbra-Server nicht?

Häufige Ursachen sind eine falsch eingegebene URL des Webmail-Logins, abgelaufene Zugangsdaten, eine zwischenzeitliche Sperre des Kontos nach mehreren Fehlversuchen, Probleme mit dem TLS-Zertifikat oder serverseitige Wartungsfenster. In Unternehmensumgebungen sind ausserdem oft Firewall-Regeln, Geoblocking oder VPN-Anforderungen die Ursache. Der erste Schritt ist üblicherweise eine Rückfrage beim zuständigen IT-Verantwortlichen oder Hosting-Anbieter.

Welche Betriebssysteme werden für Zimbra unterstützt?

Aktuell offiziell unterstützt sind Red Hat Enterprise Linux 9, Rocky Linux 9, Oracle Linux 9 sowie aktuelle Ubuntu-LTS-Versionen. Support für RHEL, CentOS und Oracle Linux 7 wurde mit Zimbra 10.1.10 eingestellt.

Professionelle E-Mail- und Kollaborations-Lösungen bei METANET

Ob Sie Zimbra produktiv betreiben, eine Alternative evaluieren oder ein professionelles Mail-Setup für Ihr Unternehmen aufbauen möchten – METANET stellt Ihnen die passende Infrastruktur und die professionellen Dienste dafür bereit.

Business Mail von METANET bietet Ihnen voll ausgestattete geschäftliche Mail-Postfächer mit grosszügigem Speicherplatz, Kalender- und Kontaktsynchronisation, Webmail-Zugang sowie Anbindung an alle gängigen Mailprogramme über IMAP, SMTP und ActiveSync. Die Daten werden in der Schweiz gehostet und unterliegen dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG).

Für den Betrieb einer eigenen Zimbra-Installation oder einer vergleichbaren Open-Source-Groupware steht Ihnen mit den Managed Cloud Servern und den VPS-Lösungen von METANET eine flexibel skalierbare Plattform zur Verfügung. Sie wählen Ressourcen, Betriebssystem und Service-Level passend zu Ihrer Benutzerzahl und Ihren Anforderungen.

Für grössere Installationen mit mehreren Servern, dediziertem Netzwerksegment und individuellen Compliance-Vorgaben bietet das Virtual Data Center die Grundlage, um Zimbra in einer abgeschlossenen, vollständig in der Schweiz gehosteten Umgebung produktiv zu betreiben.

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